Trinkwassermythen – was ist dran?

Trinkwassermythen – was ist dran?

Tagtäglich begegnen uns zahlreiche Aussagen über die Wirkungen von Trinkwasser. Iris Löhlein, Ernährungswissenschaftlerin und Trinkwasser-Expertin vom Forum Trinkwasser hat sich fünf davon genauer angesehen und klärt auf, welche stimmen und welche ins Reich der Mythen gehören.

 

1. Faltenfrei durch Trinkwasser
Eine Studie an der Berliner Charité, unter der Leitung von Dr. Michael Boschmann, zeigte: Wer Leitungswasser trinkt, fördert die Vitalität der Haut. Schon etwa zehn Minuten nach dem Trinken wird die Haut besser durchblutet, mit mehr Sauerstoff versorgt und so der Hautstoffwechsel angekurbelt. Die erhöhte Stoffwechselaktivität kann beispielsweise auch die Schutz- und Abwehrfunktion der Haut unterstützen. Dieser Vitalisierungseffekt führt langfristig vielleicht zu einem frischeren Aussehen der Haut, aber Falten kann man durchs Trinken von viel Leitungswasser leider nicht verhindern, da sie nun mal ein Zeichen der Hautalterung sind.

2. Zu viel Trinkwasser ist ungesund
Erwachsenen wird empfohlen, eineinhalb bis zwei Liter über den Tag verteilt zu trinken. Ist es draußen sehr warm und man strengt sich zusätzlich noch an, kann der Flüssigkeitsbedarf drei bis vier Mal so hoch sein. Diese Trinkmengen sind für einen gesunden Menschen unbedenklich. Unser Körper kann fast 1 Liter pro Stunde ausscheiden, und die deutschsprachigen Fachgesellschaften für Ernährung gehen sogar davon aus, dass die maximale, längerfristig zu tolerierende Flüssigkeitszufuhrmenge beim Erwachsenen täglich etwa 10 Liter betragen dürfte. Das aber sollte man nicht ausreizen, denn es werden auch reichlich Mineralstoffe mit ausgeschieden, und ein Mangel kann zu Muskelkrämpfen oder Schlimmerem führen. Also nur dauerhaft wirklich exzessives Trinken kann ungesund sein.

3. Wenn man weniger trinkt, schwitzt man auch weniger
Unser Körper schwitzt jeden Tag mindestens einen halben Liter Flüssigkeit aus. Das merken viele Menschen gar nicht, ist aber sehr wichtig. Denn Schwitzen ist eine Schutzfunktion des Körpers und hilft ihm, seine ideale „Betriebstemperatur“ zu halten. Wer zu wenig trinkt, schwitzt nicht unbedingt weniger, aber er schadet seinem Stoffwechsel. Auch wenn Menschen übermäßig schwitzen und es als lästig empfinden, ist es keine gute Idee, weniger zu trinken. Es sollte im Gegenteil mehr sein. Starkes Schwitzen kann durch hormonelle Umstellungen verursacht sein, durch scharfes Essen, Stress, Fieber oder andere gesundheitliche Gründe. Ein Zusammenhang mit der Flüssigkeitszufuhr ist nicht bekannt.

4. Wassertrinken hilft beim Abnehmen
Ein großes Glas Leitungswasser vor dem Essen bringt keine Kalorien, bewirkt aber ein leichtes Sättigungsgefühl. Das kann auch hilfreich sein, um Heißhungerattacken abzumildern. Eine weitere Erklärung liefert eine Studie, die an der Berliner Charité mit Unterstützung des Forum Trinkwasser durchgeführt wurde. Dr. Michael Boschmann und sein Team belegten, dass das Trinken von einem halben Liter Leitungswasser vor dem Frühstück den Energieverbrauch ankurbelt: Bei Normal¬gewichtigen um circa 50 Kilokalorien täglich, bei Übergewichtigen bis zu 30 Kilo¬kalorien. Dr. Boschmann rechnete diesen sogenannten thermogenen Effekt des Wassers hoch und fasste zusammen: "Schon der Genuss von 1,5 bis 2 Liter Trinkwasser täglich, kann den Energieumsatz auch bei Übergewichtigen um bis zu 100 Kilokalorien erhöhen. Hochgerechnet auf ein Jahr können dadurch in etwa 36.500 Kilokalorien mehr verbraucht werden. Diese Kalorienmenge entspricht bis zu fünf Kilogramm Fettgewebe".

5. Destilliertes Wasser ist gesund
Für die tägliche Flüssigkeitszufuhr ist destilliertes, also mineralstofffreies, Wasser nicht geeignet, denn es entzieht dem Körper auf Dauer Kalium und Natrium und bringt dadurch den Mineralstoffhaushalt des Körpers durcheinander. Auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung warnt vor dem ausschließlichen Gebrauch von destilliertem Wasser. Trinkt man destilliertes Wasser aber mal in einer kleinen Menge, ist das nicht schädlich, denn im Magen mischt es sich mit Salzsäure und Mineralstoffen aus der Nahrung.

6. Wasser hat ein Gedächtnis
Nach Meinung der Anhänger von sogenanntem informiertem Wasser, verliert Wasser u. a. durch den Weg durch die Leitungen viele seiner positiven Eigenschaften und ist beispielsweise für Mensch und Tier nicht mehr besonders bekömmlich. Mit diversen Methoden – neben Filtern kommen auch Verwirbelungsanlagen oder sogenannte Wasserkristalle zum Einsatz – soll das Wasser verloren gegangene positive Informationen wieder aufnehmen, speichern und diese auf den Konsumenten übertragen. Wissenschaftlich sind diese Theorien nicht haltbar: Wasser besitzt auf Molekularebene eine fragile Stabilität, die Bruchteile einer Sekunde andauert. Das Wasser verändert seine Struktur also quasi im Sekundentakt. Eine gezielte und dauerhafte Strukturänderung bzw. eine Anreicherung mit Informationen von außen ist nicht möglich.

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