Der beste Durstlöscher kommt aus der Leitung (2001)

Der beste Durstlöscher kommt aus der Leitung (2001)

Wissenschaftler der Universität Paderborn zeigen, dass Wasser als Mineralstoffquelle überschätzt wird. Trinkwasser ist daher in erster Linie ideal als Durstlöscher. Die darin enthaltenen Mineralstoffe ergänzen die Bedarfsdeckung, die hauptsächlich über feste Lebensmittel erfolgt.

Vorgehensweise
Das Forum Trinkwasser e.V. beauftragte Prof. Dr. Helmut Heseker, Leiter der Fachgruppe „Ernährung und Gesundheit“ an der Universität Paderborn, mit der Klärung der Frage, welche Bedeutung Wasser (Trinkwasser und Mineralwasser) als Mineralstoffquelle in Deutschland hat.

Ausgewertet wurden die Daten der repräsentativen Nationalen Verzehrsstudie I (NVS I). Der NVS I lagen die Sieben-Tage-Ess- und Trink-Protokolle von insgesamt 23.209 Studienteilnehmern zugrunde. Da die NVS I bereits 1984 stattfand und es bis zum Jahr 2001 nichts Vergleichbares Aktuelleres gab, wurden die Daten der DONALD Studie (Dortmund Nutritional and Anthropometrical Longitudinally Designed Study) des Forschungsinstituts für Kinderernährung mit denen der NVS I abgeglichen, um die Zuverlässigkeit ihrer Daten sicher zu stellen. Bei der DONALD Studie handelt es sich um die größte, seit 1985 in Deutschland durchgeführte prospektive Verzehrsstudie im Kindes- und Jugendalter.

Ergebnisse
Der Bedarf an Mineralstoffen wird in Deutschland überwiegend durch feste Nahrung (einschließlich Milch) gedeckt. Wasser – sowohl Trinkwasser als auch Mineralwasser – trägt bei den derzeitigen Verzehrgewohnheiten vergleichsweise wenig zur Deckung des Mineralstoffbedarfs bei, das heißt Wasser hat eine eher ergänzende Funktion und wird als Mineralstoffquelle überschätzt. Dies zeigt sich beispielhaft in der Bedeutung von Trinkwasser und Mineralwasser als Quelle für die Mineralstoffe Calcium, Magnesium und Natrium:

Wasser als Calciumquelle

Milch, Milchprodukte und Gemüse sind eindeutig die Hauptlieferanten von Calcium. Obwohl die Bioverfügbarkeit (tatsächlich vom Körper aufnehmbare Menge) von Calcium aus Wasser mit der aus Milch vergleichbar ist, tragen bei üblichen deutschen Verzehrgewohnheiten Trinkwasser und Mineralwasser in nur sehr geringem Umfang zur Calcium-Versorgung bei – Wasser hat hierbei lediglich eine ergänzende Funktion.

Wasser als Magnesiumquelle
Vollkornprodukte, Bananen und Gemüse sind mit Abstand unsere wichtigsten Quellen für Magnesium: Mit der durchschnittlichen Kost in Deutschland wird eine bedarfsdeckende Versorgung erreicht. Obwohl die Bioverfügbarkeit von Magnesium aus Wässern mit der aus fester Nahrung vergleichbar ist, spielen Wässer bei der Bedarfsdeckung keine besondere Rolle, das heißt sie haben nur eine ergänzende Funktion.

Wasser als Natriumquelle
Unsere Natrium-/Kochsalzzufuhr ist bereits wesentlich höher als es Fachgesellschaften empfehlen, deshalb sind hohe Natriumgehalte – auch in Getränken – eher unerwünscht. Trinkwasser enthält im Durchschnitt wenig Natrium und wesentlich weniger Natrium als viele Mineralwässer. Es trägt somit nicht zu der weit verbreiteten hohen Natriumaufnahme bei und kann sogar während einer kochsalzarmen Diät von Bluthochdruck-Patienten bedenkenlos getrunken werden.

Trinkwasser in erster Linie Durstlöscher
Die Hauptaufgabe des Wassers ist die Flüssigkeitszufuhr, und dafür ist das Wasser aus der Leitung bestens geeignet. Die Schlussfolgerung, Trinkwasser als geeigneten Flüssigkeitsspender hervorzuheben, trifft sich auch mit den Aussagen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE), die Trinkwasser aus der öffentlichen Wasserversorgung als einwandfrei und als Durstlöscher für besonders geeignet hält.

Die Deutschen trinken zu wenig
Die durchschnittliche Flüssigkeitszufuhr liegt in Deutschland um etwa 20 Prozent (etwa ein halber Liter) unter dem von Fachgesellschaften empfohlenen Richtwert. Männer nehmen im Durchschnitt 20 Prozent mehr Flüssigkeit zu sich als Frauen. Die höhere Flüssigkeitszufuhr resultiert allerdings in erster Linie aus dem höheren Konsum alkoholischer Getränke. Frauen trinken vergleichsweise häufiger Mineralwasser, Obst- und Gemüsesäfte als Männer. Etwa ein Drittel der täglichen Flüssigkeitszufuhr bestreitet Trinkwasser (vor allem in Form von Kaffee und Tee). Inzwischen trinkt etwa ein Viertel der Kinder und Jugendlichen mit Kohlensäure versetztes Trinkwasser.
(Anmerkung des Forum Trinkwasser e.V. Stand 2012: Die seit 2008 vorliegenden Ergebnisse der Nationalen Verzehrsstudie II (NVS II) zeigen, dass sich die Flüssigkeitszufuhr verbessert hat. Informationen zur NVS II sind zu finden unter: www.was-esse-ich.de)

Trinkwasser ist der ideale Durstlöscher
Trinkwasser in Deutschland ist qualitativ hochwertig, stets verfügbar und vergleichsweise preiswert. Es ist bestens geeignet als Flüssigkeitsspender und Durstlöscher, insbesondere wenn der Bedarf zum Beispiel in der heißen Jahreszeit oder beim Sport erhöht ist. Trinkwasser enthält nur wenig Natrium und trägt damit nicht zu der weit verbreiteten hohen Natriumaufnahme aus Kochsalz bei. Es ist daher auch für die kochsalzarme Diät bei Bluthochdruck geeignet. Im Trinkwasser enthaltene Mineralstoffe ergänzen die Bedarfsdeckung, die vornehmlich durch feste Nahrung sichergestellt ist.

Empfehlung des Forum Trinkwasser e.V.:

Trinkwasser schmeckt am besten frisch aus dem Hahn gezapft und gut gekühlt. Und auch das Auge isst – oder besser gesagt – trinkt mit: Aus einer Glaskaraffe in ein schönes Glas eingeschenkt, schmeckt das Wasser aus der Leitung gleich doppelt so gut. Für die nötige Abwechslung ist gesorgt, wenn Trinkwasser

  • mit Kohlensäure aufgesprudelt,
  • mit einigen Spritzern frischer Zitrone oder Orange aufgepeppt,
  • mit frischer Minze oder auch Ingwerstückchen verfeinert oder
  • mit Fruchtsäften zu Schorlen gemischt wird.


Noch ein Tipp: Zur Tasse Kaffee immer ein Glas Wasser trinken, wie es in Österreich und in südlicheren Ländern üblich ist.

Downloads

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Portrait Prof. Dr. Heseker(.pdf)